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Nach 1945
meinten viele in Deutschland, mit Hitler, Himmler und Heydrich habe es drei
Alleinschuldige am Holocaust gegeben. Die drei Schreibtischtäter und dazu noch
ein paar Dutzend Helfers-helfer als Vollstrecker hätten sich aus fehlgeleitetem
Idealismus und in Befehlsnotstand wohl schon irgendwie schuldig gemacht. Aber gleichzeitig wurde den Alliierten gerne unterstellt, den Genozid in Siegermentalität unnötig aufzubauschen. Denn die weit überwiegende Mehrheit in Deutschland sei unschuldig und wisse von nichts. Wenn überhaupt, dann seien im Einzelfall ein paar wenige, im Grunde gute Menschen angesichts der dämonischen Fähigkeiten Adolf Hitlers „verführt“ worden.

Doch nach 20 Jahren Täterforschung wissen wir: Im „Tausendjährigen Reich“
wurden de facto alle, die sich nicht gleichschalten lassen konnten oder wollten,
brutal verfolgt, weil Hunderttausende Täter, Helfershelfer und Trittbrettfahrer,
meist „ganz normale Männer“, in den entscheidenden Momenten ziemlich genau
wussten, was sie zu tun hatten. Wo immer Angehörige der privilegierten „Volksgemeinschaft“ die Gelegenheit erhielten, mutierten sie - mit wenigen Ausnahmen - blitzartig zu „Herrenmenschen“, egal ob mit oder ohne Parteibuch, ob führend an den Schalthebeln der Macht oder als Hand- bzw. Kopflanger in untergeordneter Position, ob in der quirligen Stadt, in der verschlafenen Provinz oder im fernen Kriegsgebiet: Das „arische“ Blut allein genügte, um sich zugehörig fühlen zu können, wie gleichzeitig nichtarisches Blut ausreichend zu sein schien, um Menschen aus der Solidaritätsgemeinschaft auszuschließen, zu verbannen und zu vernichten.

Das private, nicht-institutionelle Projekt „Täter Helfer Trittbrettfahrer“ will siebzig Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft helfen, die oft riesigen Forschungslücken über den Nationalsozialismus in der Region abzubauen. Gerade auf dem Lande, wo das „Große Schweigen“ (Ralph Giordano) bis heute vorherrscht, sind den Zeitgenossen sogar die meisten lokalen NS-Größen schon wieder völlig unbekannt. Quellengestützt und eingebunden in den größeren historischen Kontext werden daher NS-Belastete biografisch untersucht, wobei möglichst viele Gegenden, möglichst viele Berufsfelder und möglichst unterschiedliche Wege, die in eine NS-Verstrickung führten, dargelegt werden.

Mit dem neuen Oberschwabenband sind in nunmehr vier Bänden 70 Personen von 57 Autor/innen vorgestellt worden. Band 1 befasste sich 2010 mit „NS-Belasteten von der Ostalb“ (vergriffen), Band 2 behandelte 2013 die Region Ulm/Neu-Ulm. Band 3 erschien 2014 und befasste sich mit NS-Belasteten aus dem östlichen Württemberg. Ein 5. Band wird im Winter 2015 erscheinen und (länderübergreifend) NS-Belastete aus der Region Bodensee besprechen; weitere Bände sind angedacht. Jedes Buch ist mit Personen- und Ortsregistern versehen, um ein schnelles Nachschlagen zu ermöglichen. Herausgeber der Reihe ist Dr. Wolfgang Proske, Diplom-Sozialwissenschaftler und Lehrer für Geschichte und Bildende Kunst am Rosenstein-Gymnasium Heubach sowie am Abendgymnasium Ostwürttemberg. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite www.ns-belastete.de. Rückfragen werden ggf. gerne unter info@ns-belastete.de beantwortet.

 

externer Link zur Internetseite Täter, Helfer, Trittbrettfahrer | Band 4

 

     


     

 

     
       

 

     

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