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Haben wir denn eigentlich keine anderen Probleme?

Wer über die Nazizeit in der eigenen Region forscht und sich dabei auch mit Tätern befasst, sieht sich gelegentlich mit ungehaltenen Zeitgenossen konfrontiert, die empört ausrufen: „Schon wieder! Wann endlich ist Schluss mit solchen Debatten?“ Oder: „Ihr solltet Euch mit der Zukunft befassen, nicht immer nur mit der Vergangenheit!“ Solchen Leuten entgegnen wir mit Richard von Weizsäcker: „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Zukunft!“

Nach über 70 Jahren konsequenten Totschweigens halten wir die Zeit für gekommen, über lokale Nazis zu reden. Damit das „Große Schweigen“, wie Ralph Giordano es genannt hat, vor Ort nicht das letzte Wort sein möge! Im Gegenteil fordern wir dazu auf, sich der regionalen NS-Vergangenheit zu stellen und dabei mitzuwirken, dass NS-Täter im Bodenseeraum nicht länger totgeschwiegen wird.

Bitte helfen Sie mit, dass Texte wie diese die ihnen gebührende Aufmerksamkeit finden! Denn sonst besteht die Gefahr, dass unsere Initiative schnell wieder in der Versenkung verschwindet und es bei der bisher praktizierten „Omertà“[1] bleibt. Das „Große Schweigen“ wird durchlöchert, wenn Multiplikatoren dabei helfen, unsere Ergebnisse weiter zu verbreiten. Die Tätergeschichte könnte dann ihren angemessenen Platz auch in der regionalen Erinnerung finden. Wir können, was in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, Europa und Nordafrika geschehen ist, nicht mehr ändern. Aber wir alle können dieses Geschehen sorgfältig studieren und durch konsequente Erweiterung unserer historischen Kenntnisse eine ethisch angemessene Haltung gegenüber dem NS-System und seinen Trägern aufbauen. Nicht nur ganz allgemein und im räumlich eher Fernen, sondern eben auch im Nahbereich, vor unserer eigenen Haustür.

[1] „Omertà“ bezeichnet ursprünglich die Schweigepflicht für Mitglieder der Mafia gegenüber Außenstehenden. Das „Gesetz des Schweigens“ wird auch von Nichtmitgliedern, betroffenen Opfern und potenziellen Zeugen erwartet. Dieses Verhalten weist strukturelle Ähnlichkeit mit dem Schweigen einer großen Mehrheit der Deutschen nach 1945 auf.

 

externer Link zur Internetseite Täter, Helfer, Trittbrettfahrer | Band 5

 

     


     

 

     
       

 

     

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