Oskar Dirlewanger

Von | 15. Januar 2026

Oskar Dirlewanger

(1895 – 1945), aufgewachsen in Stuttgart und Esslingen, Freikorps-Mitglied, Studium der Staatswissenschaften, 1922/1928 erstmals NSDAP, leitende Stellungen in der Industrie, 1931 wegen Unterschlagungen entlassen, erneut NSDAP sowie SA, 1933/34 stv. Leiter Arbeitsamt Heilbronn, in Heilbronn vorbestrafter Sexualstraftäter (zwei Jahre Zuchthaus), Ausschluss aus der NSDAP und der SA. 1937/39 Legion Condor, kurzzeitige Entlassung nach Bekanntwerden seiner Vorstrafe, dann Rehabilitierung. 1940 Waffen-SS, fünf Beförderungen, zuletzt SS-Oberführer. Erneut Mitglied der NSDAP, Chef der SS-„Wildschützkompanie“ in der Waffen-SS („Sondereinheit“); diverse Kriegsverbrechen und Massenmorde zuerst in Polen (Distrikt Lublin) „zügelloses Benehmen“, „mafiose Methoden“, Frauen und Kinder als „lebende Schutzschilde“, dann in Belarus („exzessive Gewalt“, totale Entgrenzung, „Eingeborene“ als „Freiwild“, Versklavungen, Korruption, Plünderungen, dabei von Heinrich Himmler bestätigte „schrankenlose Disziplinarbefugnis“ Dirlewangers). 1944 in der Slowakei: weiterhin Gewaltexzesse, schließlich als Teil der Wehrmachts-Heeresgruppe Mitte: Dirlewangers „Brigade“, schließlich „Division“ bestand inzwischen zu „über 50 Prozent“ aus bestraften Angehörigen der drei Wehrmachtsteile; dazu viele in den KZs rekrutierte „Freiwillige“…
Oskar Dirlewanger war Kommandeur der „Wildschützkompanie“, einer Sondereinheit der SS, die 1940 aus verurteilten Wilderern zusammengestellt und von ihm für den Nahkampf ausgebildet wurde. Denn Adolf Hitler wünschte sich eine Truppe, die wie Wilderer ihre „Beute“ unauffällig mit der Büchse durch Fangschuss töten sollte. Zum Einsatz kam Dirlewangers Kompanie 1940 erstmals in Polen, wo sie sich umgehend mafioser Methoden bediente, um danach verheerend an der Ostfront zu wüten. Für Dirlewanger und seine Sturmbataillone galten Partisanen bzw. die sie unterstützende sowjetische Bevölkerung als „Freiwild“. Um hohe personell Verluste im sogenannten „Bandenkampf“ auszugleichen, ließ Gottlob Berger, SS-Obergruppenführer, Chef des SS-Hauptamtes, General und Chef-Rekrutierer der Waffen-SS, im Baltikum und im heutigen Belarus einheimische Hilfskräfte anheuern, um die Kampfstärke der SS weiter zu vergrößern. Auch Dirlewanger profitierte davon. Durch zusätzliche Zuteilung von KZ-Insassen wuchs seine Sondereinheit zum Regiment, zuletzt über Verurteilte aus Straflagern der Wehrmacht, SS und Polizei sogar zur Brigade. Im Hintergrund hielt Berger „so zuverlässig wie unauffällig“, so seine Biographin Friede Samo, seine schützende Hand über Dirlewanger. Der vorbestrafte Sexualstraftäter wurde stetig befördert, über fünf Dienstränge hinweg vom Obersturmführer bis zum Oberführer der Waffen-SS.
Beschrieben in:
– Friede Samo: Oskar Dirlewanger und Gottlob Berger. Eine Täterfreundschaft

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